GDV-Statistik soll Kritik an Berufsunfähigkeits­versicherung entkräftigen

GDV Studie zur Berufsunfähigkeitsversicherung Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat erstmals eine Statistik über Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) erhoben. Geprüft wurden die Leistungs- und Versicherungsanträge sowie die Gutachtenquoten einzelner Versicherer. Dabei erzielte der GDV mit der aktuellen Branchenstatistik überraschende Ergebnisse.

In der Versicherungswelt gibt es oftmals Kritik an der Leistungsbereitschaft von Versicherungsunternehmen. Besonders bei Berufsunfähigkeitsversicherungen wird den Versicherern zur Last gelegt, dass sie in vielen Fällen keine oder nur verzögert Leistung erbringen. Daher hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zum ersten Mal eine Untersuchung der Berufsunfähigkeitsversicherer durchgeführt. Dabei zeigt die Branchenstatistik überraschende Ergebnisse in Bezug auf die Leistungsbereitschaft der Versicherer. „Die Unternehmen leisten schnell und unkompliziert“, erklärt Dr. Peter Schwark, Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung.

Gutachten bei Berufsunfähigkeit: 60 Prozent werden zu Gunsten der Versicherten entschieden

Die Versicherer akzeptierten laut GDV im Jahr 2014 insgesamt 40.200 Leistungsanträge. Dies entspricht einer Leistungsquote von etwa 77 Prozent. Lediglich bei etwa sechs Prozent der eingegangenen Leistungsanträge ziehen die Versicherer einen Gutachter zu Rate. Dabei entschieden die meisten Sachverständigen zugunsten der Versicherten, denn etwa 60 Prozent der Gutachten stellten eine Berufsunfähigkeit fest. Allerdings ist festzuhalten, dass knapp 12.000 Betroffene kein Geld von ihrer Versicherung bekommen haben.

Des Weiteren kommt die Statistik zu dem Ergebnis, dass zwischen Leistungsantrag und Leistungsentscheidung im Schnitt nur 13 Kalender Tage vergehen. Bei Leistungsantrag handelt es sich jedoch um die Vorlage aller benötigten Unterlagen bei dem Berufsunfähigkeitsversicherer.

Berufsunfähigkeitsstatistik belegt: Nur wenige Verbraucher werden abgelehnt

Nahezu jeder, der sich gegen Berufsunfähigkeit absichern möchte, bekommt auch ein Versicherungsangebot. Dabei lag die Annahmequote im Jahr 2014 bei über 94 Prozent, so der GDV. Die Daten über die Leistungs- und Versicherungsanträge wurden von Unternehmen bezogen, die etwa 84 Prozent des Marktanteils in der Berufsunfähigkeitsversicherung ausmachen. „Die Angaben zu Gutachtenquoten beziehen sich auf Unternehmen mit einem Marktanteil von zusammen rund 60 Prozent“, erklärt der GDV.

Berufsunfähigkeitsstatistik: Aktuelle BU-Statistik in Kritik

Die Ratingagentur Franke und Bornberg stellt die „Lobby-Statistiken der Versicherer zu Berufsunfähigkeitsfällen infrage.“ Denn die kürzlich veröffentlichten Zahlen der BU-Statistik des GDV seien nicht überprüfbar. Daher hat Franke und Bornberg eine eigene Erhebung durchgeführt.

Die Ratingagentur stellt sich die Frage, ob „die Quote alle Leistungsanträge berücksichtigt, oder nur jene, bei denen alle für die Entscheidung erforderlichen Angaben vorlagen. “Während der GDV eine Leistungsquote von 77 Prozent errechnet, sind es laut Angaben von Franke und Bornberg lediglich 65 von 100 Fällen, in denen Kunden Geld erhalten. Denn viele Versicherungsnehmer verfolgen ihre Ansprüche auf Leistungen oftmals nicht weiter.

Des Weiteren erhalten laut GDV Versicherungsnehmer bereits nach 13 Tagen einen Bescheid mit dem Ergebnis, ob die Versicherer leisten oder nicht. Allerdings liegen bei der Entscheidung bereits die vollständigen Unterlagen des Versicherungsnehmers vor. Franke und Bornberg hingegen bemängeln, dass diese Zahl irreführend sei, da viele Versicherer „Verschleppungstaktiken“ anwenden. Dies bedeutet, bevor BU-Versicherer über Leistungen entscheiden, fordern sie stets weitere Unterlagen an. Bis letztlich alle Unterlagen eingereicht sind, können somit Monate oder Jahre vergehen.

» Leistungsquoten einzelner Versicherer

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